Asosemillas

Asociación para el Desarrollo Sostenible “Semillas”

 

myKafe Im Gespräch mit Alexandra Heindel..
Was ist Semillas?
Semillas (übersetzt: Samen) ist ein kolumbianischer, gemeinnütziger Verein mit Ursprung in der Stadt Tibasosa in der Region Boyacá. Semillas trägt mit verschiedenen Projekten zur nachhaltigen Verbesserung der Lebensbedingungen der ländlichen Bevölkerung bei.
Woher kennst du Semillas?
Ich habe Semillas vor 15 Jahren kennengelernt und damals einen Teil meines Freiwilligendienstes dort verbracht. Bis heute verfolge ich, wie die Bewegung gewachsen ist und immer mehr Menschen teilhaben. Die Aktivitäten von Semillas umfassen immer mehr Lebensbereiche der ländlichen Bevölkerung. Es sind Samen, die herangewachsen sind und eine bessere Lebenswelt möglich machen. Nicht ohne Grund hat Semillas sowohl auf nationaler, als auch auf internationale Ebene große Anerkennung erhalten, wie etwa die Unterstützung durch die spanische Nichtregierungsorganisation Ayuda en Acción.
Was genau sind das für Projekte?
Die sind vielfältig. Konzeptionell geht es um drei Ebenen: die persönliche Entwicklung der Menschen; die Entwicklung innerhalb der Familie; und die soziale Entwicklung, also die Entwicklung der Menschen innerhalb der lokalen Gemeinschaft. Es gibt z.B. Projekte für die besondere Förderung einzelner Kinder, Weiterbildungen für Frauen, Theaterprojekte oder auch Programme zu Umweltthemen, bei denen die Kinder in drei Stufen zu kleinen „Umweltexperten“ ausgebildet werden, um damit (als „herederos del planeta“) ihr Wissen in die Familie und die lokale Gemeinschaft weiter zu tragen. Semillas hat sogar einen eigenen Radiosender den man via Livestream unter www.radiosemillas.org hören kann!
Und was unterscheidet Semillas von anderen Vereinen?
Das Besondere ist für mich, dass Semillas von der lokalen Bevölkerung ausgeht, d.h. die „betroffenen“ Menschen vor Ort entwickeln die Ideen selbst und tragen die Projekte. Es ist nicht ein von außen konzipiertes Entwicklungshilfeprojekt, das den Menschen ihre Selbstbestimmtheit nimmt. Die Menschen kümmern sich von der Basis aus um die Weiterentwicklung ihrer Projekte, die Vernetzungen und natürlich die Finanzierung der Projekte. Was Semillas aber braucht, ist die finanzielle Hilfe von außen, um besonders in der ersten Phase die Projekte und Aktivitäten anschieben zu können.

Semillas hat seine Basis ganz klar auf der lokalen Ebene, wo der Verein mit den dortigen Gemeinschaften und Organisationen stark vernetzt ist. Aber auch auf lateinamerikanischer Ebene findet ein reger Austausch über Fragen der kommunalen Entwicklung statt. Ein Höhepunkt war hier das Kulturfestival „Abya Yala“ im Oktober 2010, mit einigen lateinamerikanischen Gästen und einem großen Angebot an Workshops zu u.a. Kunst, Musik und Umwelt. Neben anderen renommierten Künstlern ist hier auch die großartige und international bekannte Sängerin Andrea Echverri (Aterciopelados) aufgetreten.

Semillas scheint dich sehr beeindruckt zu haben?
Ja, sehr. Ich bewundere die Menschen, die trotz der schwierigen Situation in Kolumbien Inseln des Friedens aufbauen, die nach vorne schauen, lebensbejahende Arbeit, tolle Musik und faszinierende Kunst machen. Ich bin beeindruckt von der kulturellen Vielfalt und dem immensen Wissensreichtum, den es dort gibt. Semillas schafft auf der lokalen Ebene die Möglichkeit, dass die Menschen sich auch mit ihrer Geschichte, die der Muisca (Einwohner der Region vor Eroberung durch die Spanier) und deren Traditionen auseinandersetzen können So lebt die traditionelle Musik weiter, indem die Kinder zampoñas (trad. Panflöte) spielen lernen. Die Bauern setzen auf ökologischen Anbau und vertreiben ihre regionalen Produkte auf den Märkten, um somit ihre Einkommensbasis zu vergrößern und unabhängiger von Weltmarktpreisen für Agrarprodukte und Lebensmittel zu werden.
Das alles ist eine sehr wertvolle Arbeit.
Danke für das Gespräch.
Gerne, Alexandra Heindel, Regionalwissenschaftlerin und Interkultureller Coach..
Weitere Informationen finden Sie unter: www.asosemillas.org